„Vom ursprünglich hergestellten Buch „Nachts“ besaß ich noch 2 Stück. Es war 1982 in einer Auflage von 100 Exemplaren herausgegeben worden, gedruckt und gebunden in der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB). Die zwischen 1980 und 1981 entstandenen Fotografien gehören für mich zu den besten und eindrücklichsten Aufnahmen, die Erasmus – damals noch als sehr junger Mann – gemacht hat“, sagt seine Frau Annette Schröter. Die Bilder für dieses Buch hat Erasmus Schröter auf Infrarotfilm und mit der sogenannten „Schwarzblitz-Methode aufgenommen. Es wurde nie geklärt wie er damals an dieses Filmmaterial kommen konnte, er war aber von den Möglichkeiten dieser Technik fasziniert und nützte sie intensiv auf seinen Ausflügen in das Nachtleben der DDR, hauptsächlich in Leipzig. Zu sehen sind wartende Menschen, Ball- und Opernbesucher, Liebespaare, Tanzende, tätowierte Männer auf Jahrmärkten, Zirkusleute und Künstlerfeste. Die Aufnahmen – transzendent und verschwommen – erzeugen die Atmosphäre eines surrealen Theaters. „Lange Nacht“ zeigt wie technische Experimentierfreudigkeit und Dokumentarfotografie neue visuelle Ebenen erzeugen können und ist gleichzeitig eine Erinnerung an das frühe künstlerische Schaffen des großartigen Fotografen Erasmus Schröter.
Die Abbildungen und die Bildabfolge in diesem Buch versuchen soweit wie möglich das Originalbuch aus dem Jahr 1982 abzubilden. Jedoch sind nicht alle Bilder als Vorlagen erhalten geblieben und es tauchten im Archiv auch noch neue Bilder, die in „Nachts“ nicht enthalten waren auf, die nun integriert wurden. Dieses Buch ist also kein Faksimile und hat daher auch einen neuen Titel erhalten.
Erasmus Schröter (1956 – 2021) verließ die DDR 1985 aus Protest und kehrte in den 90ern in seine Heimatstadt Leipzig zurück. Neben seinem Beruf als Fotograf war er auch passionierter Sammler von DDR-Kinderspielzeug und DDR-Architekturpostkarten gewesen. Beides hat er auch immer wieder in seine Werke und Ausstellungen einfließen lassen. Faszinierend an seinen Arbeiten ist das sie Alltagskultur mit einer unglaublich starken ästhetischen Verführungskraft verbinden.
Uwe Kolbe, bekannter Lyriker und Prosaautor, war in den 70er/80er Jahren mit Erasmus Schröter befreundet und z.T. Begleiter bei den Exkursionen in das Nachtleben der DDR. Sein Text beschreibt sehr treffend die gefühlten Realiäten dieser Zeit.

















